Kolumbarien

Etwas, dass mich damals in Südamerika nachhaltig beschäftigte waren Friedhöfe. Diese waren so grundlegend anders als, die die ich kannte und ich wollte verstehen wie die Särge in diese Grabfächer gelangen und ob Familiengräber hier genauso funktionierten wie ich sie aus Österreich kannte. Das spezielle daran waren nämlich die in Stockwerke angelegten Gräber, die mir immer viel zu klein erschienen für die riesigen Särge, die ich kannte. Offiziell heißt diese Art der letzten Ruhestätte Kolumbarium und ist auch in Österreich zu finden, jedoch für Urnen.
Für mich war diese Art der Bestattung eigentlich sehr einleuchtend, da ich in Lima gelebt hatte und die Stadt trotz ihrer Größe immer als zu klein für all die Personen, die dort lebten, empfunden hatte. Platzknappheit gab es überall warum sollte diese dann nach dem Tod aufhören? Die Schlussfolgerung Ressourcenknappheit am Friedhof war für mich daher sehr einleuchtend.

Meine grundlegende Frage war daher wie viele Särge passen in ein so ein Fach?
Nach langen Recherchen online und vor Ort kann ich nun sagen, dass genau ein Sarg in ein solches Grabfach hineinpasst. Dieser wird hineingeschoben und dann wird das Fach verschlossen und von den Angehörigen wird die „Grabsteintür“ wie ein Schaufenster dekoriert mit gemeinsamen Bildern oder Dingen, die der*die Verstobene geliebt hat. Das kann dann eine Bierflasche, ein Modellauto oder auch ganz klassisch einfach nur Blumen sein. Der Sarg wird in den meisten Fällen dann auf der Schulter von mindestens vier Personen zum Grabfach getragen. Dabei wird laut Musik gespielt und getanzt, selbst die Sargträger tanzen dann mit dem Sarg auf den Schultern mit.

Der Tanz mit dem Sarg

Der Weg muss nicht immer direkt von der Kirche zum Friedhof führen, sondern kann auch durch die Straßen über die wichtigsten Orte des*der Verstorbenen führen. Die Begräbnisse sind meistens laut und es kommen wirklich viele Menschen um den*die Tote*n auf seinem*ihrem letzten Weg zu begleiten.

Ab 2:55 wird der Sarg in das Fach geschoben, davor werden Reden von Angehörigen gehalten.
Zu Beginn sieht man die Prozession, ab 7:40 wird der Sarg in das Fach geschoben, verschlossen und mit Kerzen dekoriert..

In den Videos kann man sehr deutlich sehen, wie unterschiedlich mit dem Tod umgegangen ist und in Südamerika bedeutet das Ableben eines Menschen keinen Verlust, sondern der Beginn einer neuen viel größeren Reise. Vielen ist diese Einstellung vielleicht bekannt, denn von Mexico aus wurde der „Día de los Muertos“ weltweit bekannt. Doch auch über die Grenzen des Landes hinweg wird in Südamerika an vielen Orten gleichermaßen gefeiert. In vielen Stätten des Kontinentes versammeln sich hunderte von Menschen am 2. November (Allerseelen) am Friedhof beim Grab ihrer Toten, um diesen zu gedenken. Die Tage zuvor wird sowohl das Grab festlich geschmückt als auch reichlich Essen gekocht. Das Lieblingsessen der Toten wird dann für diese vor das Grab gestellt und alle anderen picknicken sozusagen am Friedhof vor den Stockwerken an Gräbern. Der Tag wird zu einem großen Fest und die Schlangen vor den Friedhöfen sind riesig. 

Der Verwesungsprozess kann dann 5 Jahre oder länger dauern. Speziell Knochen sind in der Verwesung nicht so einfach, deswegen werden bei solchen Grabfächern, sollte ein weiterer Sarg zwischenzeitlich eingeschoben werden, die noch nicht verwesten Gebeine in den hinteren Teil ans Ende des Faches geschoben, sodass wieder genug Platz für den nächsten Leichnam ist.

Und zu guter Letzt eine Servicemeldung:
Eine solche Bestattung kostet in Perú zwischen 1.000 und 4.000 soles je nach Umfang und Größe. Diese Summe ist relativ hoch für ein peruanisches Durchschnittsgehalt. Umgerechnet sind das zwischen 250 und 1.000€, wobei man bedenken muss, dass diese Preise nur für die Bestattung an sich sind, das Grab selbst ist dabei nicht inkludiert. Denn die Preise hierfür sind extrem unterschiedlich, je nach Ort und Lage.

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